Überführt
Überführt
Ein junger Pfarrer nach seiner Ordination.
Der Bischof nannte ihn : "Mein Sohn".
Er möge mit ihm zu Abend essen,
und seinen Appetit nicht vergessen.
Am Tische sassen dann die Zwei.
Die Haushälterin schleppte alles herbei.
Dem Pfarrer wurde schnell gewahr,
die Frau war nicht nur zum Kochen da.
Obwohl er ziemlich unerfahren,
sah er es an der beiden Gebaren.
Als der Pfarrer gegangen war,
die Haushilfe nach dem Abwasch sah.
Sie ihr Erstaunen nicht verhehlte,
dass ein Silberlöffel fehlte.
Hatte der Pfarrer ihn mitgehen lassen?
Sie konnte es einfach nicht fassen.
Der Bischof machte ein bedenklich' Gesicht,
glaubte aber an einen Diebstahl nicht.
So schrieb er dem Pfarrer einen Brief,
in dem er sich auf das gewisse Gebot berief.
Er beschuldigte ihn nicht direkt,
sondern ganz wunderbar versteckt.
Ein Silberlöffel aus dem guten Besteck,
würde fehlen, einfach weg.
Könnte es möglich sein,
er steckte ihn versehentlich ein?
Der Pfarrer hatte seine Antwort parat,
er erinnerte an das Zölibat.
Falls er geschlafen im eigenen Bett,
er den Löffel gefunden hätt'.
© Karl-Heinz Fricke 14.10.2005
